Endogenous phasic psychoses. Symptomatology and course

Weitbrecht, H.J.

Fortschritte der Neurologie Psychiatrie und Ihrer Grenzgebiete 29: 129-144

1961


ISSN/ISBN: 0015-8194
PMID: 13784147
Document Number: 8852
Die Bezeichnung „Phase" ist nur zur Verständigung darüber zu gebrauchen, daß man ein mindestens zum zweiten Mal aufgetretenes psychotisches Krankheitsbild damit meint. Haben wir eine einmalige psychotische Episode derselben Art vor uns, so ist der Ausdruck im strengen Wortsinn bereits unmöglich. Überdies soll dem Herkommen nach diese Kennzeichnung etwas über die Prognose aussagen. Von einer Phase spricht man üblicherweise, wenn es zu einer völligen Heilung kommt. Dieser Verlaufstyp wird bekanntlich bei den endogenen depressiven und manischen Psychosen einschließlich einer großen Reihe von Randpsychosen der KLEisTschen Schule, deren Anerkennung noch immer umstritten ist, mit weitem Abstand am häufigsten gefunden. Auch die oneiroiden, zu phasenhafter Wiederkehr ohne Defektausgang neigenden psychotischen Episoden gehören hierher, die MAYER-GROSS beschrieben hat. Man stellte diesen Verlaufstyp in einen sehr betonten Gegensatz zum sogenannten Schub der schizophrenen Psychosen. Für viele psychiatrische Schulen ist die Gegensätzlichkeit zwischen „Phase" und „Schub" zum entscheidenden Angelpunkt der nosologischen Einteilung der endogenen Psychosen geworden. Das läßt sich nicht halten. Uns scheint vielmehr, daß damit eine Gleichung allzu einfach künstlich zum Stimmen gebracht wird. Man braucht sich nur anzusehen, wie gewaltsam und wenig überzeugend oft die Versuche anmuten, bei einer sogenannten schizophrenen Symptomatik eines abgeklungenen psychotischen Zustandes hinterher doch auf alle Fälle Residuen irgendwelcher Art, wenn auch noch so bescheidenen Grades, aufzudecken, um eben das Prinzip des Schubes unter allen Umständen zu retten. Man scheut sich, dieses angeblich grundlegende Unterscheidungsmerkmal zwischen zwei angeblich ebenso grundlegend von einander verschiedenen Krankheitseinheiten preiszugeben, wie es die Schizophrenie und das manisch-depressive Irresein sein sollen. Wir glauben, daß die Dinge sehr viel verwickelter liegen und wollen das an dem Verhältnis zwischen Symptombildern und Verläufen endogen wiederholt auftretender Psychosen wenigstens in groben Strichen zu zeigen versuchen.

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