Epidemiology of asbestos-induced diseases
Bohlig, H.; Dalquen, P.; Hain, E.
Der Internist 13(8): 318-325
1972
ISSN/ISBN: 0020-9554 PMID: 4564964 Document Number: 5263
Die fibrogene Wirkung von Asbest - anscheinend bei Chrysotil am größten - gefährdet ernsthaft nur einen kleinen Personenkreis. Sie folgt der Formel c × t=Konstante. Diese Wirkung kann teils durch Staubschutz, teils durch Früherfassung beim Exponierten in Grenzen gehalten werden. Die carcinogene Wirkung von Asbest - offenbar bei Krokydolit am höchsten, bei Chrysotil am geringsten - ist an eine Mindestdosis, zumindest für das Mesotheliom, nicht gebunden, so daß die Festsetzung von MAK-Werten im Prinzip unmöglich ist. Da aber die Verwendung von Asbest technisch unzweifelhaft notwendig ist, muß durch technologische Maßnahmen, aber auch durch Überwachung der Exponierten das Risiko so klein wie möglich gehalten werden. In diesem Sinne hätte ein niedrig festgelegter MAK-Wert den Charakter einer dringlichen Empfehlung, mit dem Asbeststaub jedweder Art so sorgsam wie möglich umzugehen, um einen unbestimmt großen Personenkreis so gut als irgend möglich zu schützen. Es ist ein tragischer Zirkel, daß das Bestreben zur Verringerung des Fibrose-Risikos mit Auswechselung der Exponierten unweigerlich zu einer Vergrößerung der potentiell durch Asbestkrebs gefährdeten Gruppe führen muß. Der in die technische Zivilisation hineingeborene, sich an ihren Früchten berauschende Mensch nimmt in vielfacher Weise freiwillig Carcinogene auf, so beim Rauchen und beim Kraftfahrzeugverkehr. Es ist gewissenlos, ihn durch eine hysterische Asbest-Furcht zu verunsichern. Ebenso falsch ist aber auch jener weit verbreitete Schlendrian im Umgang mit Asbest und seinen Produkten. Hier sollten die für den Arbeits- und Umweltschutz Verantwortlichen koordiniert handeln, wie dies in England durch den "Asbestos Research Council" bereits pragmatisch geschieht.
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